Azubis und duale Studenten bloggen

Sie sind überall ….

3 Kommentare

…, die Studenten. Passend zum baldigen Semesterbeginn möchte ich mich auch, wie viele andere Zeitungen mit dem Thema Studium beschäftigen. Denn momentan thematisieren Medien mit reißerischen Titeln wie „Akademisierung alarmiert Arbeitsmarktforscher“, „Arbeitslose Akademiker – Topfschlagen im Niemandsland“ und „Zahl der Hochschulabsolventen doppelt so hoch wie vor zehn Jahren“ das angebliche Problem.

Warum studieren wir eigentlich?

Das Streben nach Bildung ist ein (immer) wachsendes Ziel der jungen Deutschen. Seit der Krise am Arbeitsmarkt im Jahre 1995 entscheiden sich immer mehr Jugendliche für das Abitur. Mittlerweile sind es sogar über 50%. Und wenn der halbe Weg zu einem hochqualifizierten Abschluss schon gegangen ist, entscheiden sich die meisten auch für ein Studium. Z.B. nahm 2011 mehr als die Hälfte eines Jahrgangs ein Hochschulstudium auf. Dieses Jahr werden 490.000 Studienanfänger/innen erwartet. (Natürlich tragen auch die Abschaffung des  Wehrdienstes und die doppelten Abiturjahrgänge ihren Teil zur hohen Zahl bei). Insgesamt sind wir dann aktuell bei über 2,5 Millionen Studenten. Das entspricht etwa der Summe der Einwohnerzahlen von Estland und Gesamtzypern (1,3 und 1,2 Millionen).

Gründe für ein Studium gibt es einige. Meistens sind es Träume an eine bessere berufliche Zukunft, einbesseres Gehalt, bessere Jobangebote und sichere Arbeitsplätze. Auch die Unternehmen fordern immer mehr Qualifikationen und geben auch oftmals in ihren Stellenangeboten an „abgeschlossenes Studium im Bereich ___“

Studium_1

Dann ist doch alles gut, oder?

Eigentlich sollte man ja annehmen, dass das doch eine erfreuliche Entwicklung ist. Es gibt immer mehr qualifizierte Menschen. Denn auch im Vergleich zu den anderen OECD Staaten (Organisation für Wissenschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; 34 Mitgliedsstaaten) stehen wir ziemlich schlecht dar. Deutschland hatte im Jahre 2011 einen Studienanteil von 46%. Der Durchschnitt liegt aber bei 65%.

Dennoch geht es uns wirtschaftlich gesehen sehr gut und das liegt an meinem eigentlichen Thema. Es gibt einen Unterschied zwischen den Vereinigten Staaten und dem deutschen Bildungssystem. Wisst ihr, was ich meine? Wenn ich Euch sage, dass Barack Obama begeistert war und viele andere Staaten neidisch auf uns sind, fällt es euch dann ein?

Es geht um unser duales Ausbildungssystem.

Das duale Ausbildungssystem

In Deutschland haben wir ein recht einmaliges Ausbildungssystem. Es vereinbart die praktische Erfahrung in einem Betrieb mit darauf abgestimmtem Unterricht an den Berufsschulen. Mein duales Studium ist auch eine Form davon. Ich lerne an der Hochschule und arbeite im Unternehmen im Wechsel von etwa drei Monaten.

Beim Studium verbringt man seine Zeit ja fast ausschließlich an der Hochschule (abgesehen von Praktika und einem Praxissemester).

Warum ich die Ausbildung hier ins Spiel bringe? Ihr zugrunde liegt eine einfache mathematische Rechnung. Stellen wir uns vor, wir haben eine Masse X, die die Schule mit einer Hochschulreife verlassen. Wir haben zudem zwei Bildungswege, die die X einschlagen kann, A und B. Je mehr von der Masse X nun sich für Bildungsweg A entschieden (hier das Studium) desto weniger bleiben dann für B (Ausbildung) übrig, oder? (Ganz davon abgesehen, dass die Anzahl der Kinder immer weiter sinkt)

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Hilfe, es fehlt an Arbeitskräften!

Und genau hier liegt das Problem: Arbeitsmarktforscher gehen nämlich nicht davon aus, dass sich die Wirtschaft in Deutschland so gut entwickeln konnte, weil es so viele Studenten gibt, sondern aufgrund der Ausbildungen. Arbeitsmarktforscher Hilmar Schneider, Generaldirektor des luxemburgischen Forschungsinstitutes Ceps/Instead führt in einem Artikel der Frankfurter Allgemeine sogar an: „Wenn man sieht, dass mit Deutschland ausgerechnet ein Land mit vergleichsweise wenigen Akademikern und einem starken dualen Ausbildungssystem gut durch die Krise kommt, muss man schon einmal die Frage stellen, ob diese Behauptung nicht schlicht falsch ist.“ [Behauptung: Je mehr Akademiker, desto erfolgreicher die Wirtschaft.]

Stoppt den Akademisierungswahn

Er ist, wie viele Forscher, der Meinung, dass man den „Akademisierungswahn“ stoppen sollte, denn vor allem die Qualität der Ausbildung leidet darunter. Aber auch die Wirtschaft. In den Unternehmen fehlt es an Arbeitskräften, denn diese sitzen in den Vorlesungssälen. Oftmals, so führt Ökonom Schneider in der Frankfurter Allgemeinen an, in den falschen Sälen. Denn bei mittlerweile 392 staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen kann man so einiges studieren. Auch oftmals etwas, das nicht sinnvoll für den Arbeitsmarkt ist. Oder was sollen Studenten mit dem Abschluss des Studienganges „Coffeemanagement“ anfangen oder mit dem „Beatles“-Master in Liverpool oder „Nachhaltiger Frieden durch Sport” in Monaco. Der Stern hat sogar eine „Jobampel“ aufgestellt, bei der man prüfen kann, ob man mit seinem Studiengang überhaupt eine gute Aussicht auf einen Job hat. http://www.stern.de/wirtschaft/job/mit-der-stern-jobampel-ins-richtige-studium-welche-studiengaenge-sich-lohnen-539568.html

An sich eine echt coole Idee. Aber der Studiengang sollte ja dennoch zu einem passen. Also finde ich nicht, dass jemand, der keinen Spaß mit Zahlen und Formeln hat, Elektrotechnik oder Mathematik studieren sollte – so schön die Aussichten auch sind. Aber es bietet immerhin einen Überblick und hilft z.B. wenn man sich zwischen zwei verschiedenen Studienfächer nicht entscheiden kann.

Und was nun?  

FragezeichenDen Unternehmen fehlt es an Arbeitskräften mit gewissen Qualifikationen und auf dem Markt befinden sich arbeitslose Personen, die einen frischen Abschluss besitzen, aber eben nicht jene Qualifikationen. Denn der Einstieg ist das Schwierigste. Es ist schwierig, einen Job zu finden, denn bei immer mehr Studenten, studieren auch immer mehr dasselbe. Sprich: Das Angebot ist größer als die Nachfrage.

Einer Studie zufolge ist jeder dritte Akademiker in Deutschland anfangs atypisch beschäftigt. 45% aller Neueinstellungen sind befristet und die Zahl der Minijobs, mit denen sich sowohl ungelernte, als auch Promovierte über Wasser halten, schnellt in die Höhe. Das hat aber nicht nur mit Nachfrage und Angebot, sondern auch mit einer veränderten Beschäftigungsmentalität zu tun, die sich Anfang der 2000er in der Generation Praktikum und heute eben in der Generation Befristung wiederspiegelt.

Jetzt doch nicht studieren?

Viele geben der Bildungspolitik die Schuld. Sie solle sich wieder mehr für Ausbildungen stark machen und Lösungen wie das duale Studium oder ähnliche Programme fördern. Mal sehen, ob sich in den nächsten Jahren dort noch mehr entwickelt.

Aber die Entscheidung für oder gegen ein Studium ist aber noch immer eine Entscheidung der jeweiligen Person. Wer ein Studium einnschlägt, muss eben damit rechnen, bei der Jobsuche erst einmal enttäuscht zu werden. Aber es kann sich dennoch lohnen (sonst würden es nicht so viele machen, oder?)

Zudem benötigen wir den Mix. Es ist ja nicht so, dass wir überhaupt keine Studenten bräuchten. Sie sind ja ebenfalls wichtig für die Wirtschaft.

Mein Fazit

Egal für welchen Weg wir uns entscheiden, es gibt genug Möglichkeiten. Einer Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zufolge haben 81% der Schulabgänger eine Ausbildung in den von ihnen angestrebten Wunschberufen gefunden. Was ja echt viel ist.

Und beim Studium? Mittlerweile gibt es viele Tipps und Ratschläge für Studenten, die nach dem Studium in den Beruf einsteigen möchten: wie z.B. hier: http://karrierebibel.de/jobsuche-per-praktikum-strategien-fuer-berufseinsteiger/

Oder auch  Ratgeber wie: „die Guerilla Bewerbung“, „Die 100% Bewerbung“ oder „Handbuch Bewerbung“ http://karrierebibel.de/jobjaeger-25-bewaehrte-bewerbungsstrategien/

Wichtig ist es, sich schon während des Studiums von den anderen zu differenzieren. Sei es durch Praktika, Werkstudentenjobs, durch Reputation, Networking oder auch durch Blogs und ähnliches. Siehe: http://karrierebibel.de/berufseinstieg-33-tipps-fuer-jobeinsteiger/ Es gibt viele Möglichkeiten und das Wichtige ist, dass man sie ergreift.

Also, keine Angst vor der Zukunft. Nase hoch, Brust raus und ab durch die Wand. 😉

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Autor: Kerstin

Mein Name ist Kerstin Höhn und ich bin 21 Jahre alt. In meiner Freizeit bin ich gern sportlich unterwegs und treffe mich gern mit meinen Freunden. Beruflich habe ich ein duales Studium abgeschlossen und berichte darüber in dem Blog.

3 Kommentare zu “Sie sind überall ….

  1. Hallo Kerstin,

    gratuliere zu dem schönen Blog. Weiter so!!!!
    LG
    Jochen

  2. Pingback: Mein duales Studium – ein Rückblick – Teil 2 | BERAstarters – Azubis und duale Studenten bloggen

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