Azubis und duale Studenten bloggen

Duales Studium – Anspruch und Wirklichkeit

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Auf dem Weg durchs Web. Neulich. Ich. Und was fällt mich da für eine Überschrift an? „Duales Studium – Neu bei XY*“. Und dann auch noch das: Ein duales Studium an der DHBW Mosbach Campus Heilbronn mit der Studienrichtung BWL – Dienstleistungsmanagement. Also genau dieses Studium, das ich ebenfalls absolviere. Natürlich wäre es ein Irrglauben zu vermuten, dass die BERA als einzige duale Studenten ausbildet. Immerhin ist unser Kurs 20 Personen stark – und die sind natürlich nicht nur von der BERA.

Was mich aber entzückt, ist die Möglichkeit, den Sinn einer solchen Ausschreibung beurteilen zu können. Dadurch, dass ich sie ja bereits absolviere, habe ich einen, so möchte ich doch behaupten, guten Einblick in die Forderungen und Leistungen der Hochschule. Über den Praxisteil kann ich natürlich nicht aus meiner Perspektive berichten, der ist ja bei jedem Studenten und Unternehmen unterschiedlich.

Nun also zur Stellenausschreibung. Angetan hat es mir vor allem der Teil mit den Anforderungen:

Was Sie mitbringen sollten:

Anforderungen sind bei Stellenanzeigen so was wie Stammspieler – die sind gesetzt. Klar, sie geben den Bewerbern Informationen darüber, was sie schon gemacht haben sollten, welche Kompetenzen sie beherrschen sollten und was für die Stelle verlangt wird. Mithilfe von den Angaben können Bewerber selber entscheiden, ob ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse zu der ausgeschriebenen Stelle passt. Ein Metzger ist halt kein Friseur und ein Kaufmann kein Gärtner.

1.) Guter Abschluss der Allgemeinen Hochschulreife. Ja, das sind so allgemeine Floskeln, die Euch überall erwarten werden. Natürlich wollen die Unternehmen Bewerber, die guten Noten in ihren Abschlüssen hatten und haben. Aber was ist denn überhaupt gut? Ist gut als die Note 2,0 gemeint? Oder alles besser als 3,0? Also, keine Angst vor solchen Aussagen, bewerbt Euch auch, wenn ihr meint, dass euer gut gut genug ist. Ein bisschen Selbstvertrauen gehört auch dazu 😉

Gute Noten sollen natürlich als Beweis für Ehrgeiz, Interesse und Kenntnisse dienen. Das kann tatsächlich so sein, muss es aber nicht. Wie ich aus meinen Studienerfahrungen gelernt habe, heißen gute Noten nicht unmittelbar auch Teamkompetenz, Eigeninitiative und Wissen. Und das sind meiner Meinung nach Werte, die mindestens gleichrangig sind. Auswendiglernen –  ist nicht alles.

Aber nicht nur die Frage nach dem „Gut“ wird hier geklärt, sondern auch die Frage: „Was ist denn mit einem Fachabitur?“. Natürlich kann man auch an der DH studieren, wenn man ein Fachabitur nachweisen kann. Egal ob das ganzjährige Fachabitur oder das zweijährige nach der Ausbildung; wenn die Inhalte stimmen, reicht das. Man muss lediglich einen Studierfähigkeitstest zu Beginn des Studiums überstehen und sitzt anschließend im Kursraum mit allen Anderen und spätestens ab da spielt das Abitur keine Rolle mehr.

Warum der Anbieter wohl nur die allgemeine Hochschulreife will? Oder haben sie sich einfach nicht gründlich genug informiert?

2.) Gute mathematische Kenntnisse und Freude an Mathematik

Dieser Satz veranlasste mich überhaupt diesen Beitrag zu schreiben: „ Gute mathematische Kenntnisse und Freude an Mathematik“. Ha, ha. Nun ja, natürlich begegnen einem während des Studiums zwei Fächer Mathematik. Zum einen, wie ich ja bereits berichtet hatte, Wirtschaftsmathematik und zum anderen: Statistik. Aber gute mathematische Kenntnisse und Freude an Mathematik. Mh., das würde ich so jetzt nicht unterschreiben. Es ist natürlich von Vorteil, wenn die Dozenten mal wieder mit Formeln um sich schmeißen, aber es sind Fächer, wie alle anderen auch. Oder steht hier irgendetwas von „guten buchhalterischen Kenntnissen?“ Die hätte ich zumindest gebraucht. Aber, hey! Lasst euch von so etwas nicht abschrecken. In unserem Kurs haben es alle geschafft – auch mit schwächeren mathematischen Kenntnissen und schon gar keiner Freude – aber ob die wohl überhaupt jemand hatte? 😉 Hierzu noch ein O-Ton einer Kommilitionin: „Deswegen studiere ich ja BWL und nicht Mathe!“

Mathematik

Das waren noch Zeiten, als Mathematik noch so aussah… 😉

Bild: Pixelio.de; birgitta hohenester

3.) Interesse an wirtschaftlichen und kaufmännischen Abläufen

Gut, dieser Aussage stimme ich zu. Wer würde denn auch ohne wirtschaftliche und kaufmännische Interessen BWL studieren? Welche Abläufe dabei aber gemeint sind, ob es der Ablauf einer Rechnungsbuchung, eines Bewerbungsgespräches oder die Bedienung eines Druckers ist, sei mal dahin gestellt. 😉

4.) Hohe Leistungs- und Lernbereitschaft

Ja, es ist halt immer noch eine Ausbildung und ein Studium in einem. Aus meiner knapp 2-jährigen Erfahrung kann ich sagen, dass man sowohl in der Theorie-, als auch in der Praxisphase einiges leisten muss. Volle Stundenpläne und ganze Arbeitstage lassen auf etwas mehr Stress als ein Schülerleben schließen. Dessen sollte man sich schon vor der Bewerbung bewusst werden. Es wird viel gefordert, aber auch viel geboten. Und mal ehrlich – wenn wir als zukünftige Fach- und Führungskräfte unsere Positionen einnehmen, wird’s bestimmt nicht weniger stressig. 😉

5.) Teamfähigkeit  – Selbständigkeit – Bereitschaft zum Querdenken

Diese kleine Auswahl an sozialen und persönlichen Kompetenzen und den kognitiven Fähigkeiten (Querdenken) sind schwer messbar und noch schwerer in einem Bewerbungsgespräch abzuprüfen. Teamfähig ist der, der in einem Verein spielt – so die allgemeine Meinung. Aber es gibt auch Personen, die zwar in einem Team spielen, aber lieber alleine arbeiten. (Habe ich ebenfalls im Studium schon kennengelernt.) Wie will man dann solches prüfen? Ob jemand selbstständig ist oder quer denken kann, ist nicht durch Noten oder ähnliches nachweisbar. Hat aber jemand eine Europareise oder ähnliches geplant spricht das für ihn, aber wer hat dies schon während der Schulzeit erlebt? Die einzige Möglichkeit für solche Kriterien bieten fast nur Assessment Center. Assessment-Center als eine Methode der Bewerberauswahl. Es werden viele Bewerber eingeladen, die oft gemeinsam, manchmal aber auch getrennt von einander verschiedene Aufgaben lösen müssen. Durch die kann man z.B. auch herausfinden, inwieweit die sozialen Kompetenzen ausgeprägt sind. Arbeiten sie alle zusammen, oder hebt sich einer hervor? Vermutlich alle, die im Berufsleben stehen, haben solch eine Erfahrung bereits hinter sich. Für alle, die so etwas erwartet.., viel Erfolg und bereitet euch gut vor. Auf Amazon gibt es dazu etwa 6.688 Bücher – das wird für den Anfang wohl reichen. 😉

Ich selber habe noch keines gemacht, daher kann ich euch leider keine hilfreichen Tipps geben. Aber Ihr vielleicht für mich und für alle anderen Leser?

7.) Wunsch nach zukünftiger Führungsposition

Unsere Dozenten reden von uns immer als zukünftige Fach- und Führungskräfte. Und zu solchen sollen wir auch ausgebildet werden. Keine Angst – ihr lernt ja bis dahin noch einiges.

8.) Gute EDV-Kenntnisse

Word, Excel und PowerPoint wird in heutigen Zeiten meist vorausgesetzt. Zum  Glück bieten die meisten Volkshochschulen oder Weiterbildungszentren Kurse an, die sich damit beschäftigen. Also, falls ihr euch noch unsicher fühlt. Nutzt die Chancen, es hilft bei der Bewerbung, aber auch euch.

9.) Mobilität (PKW erforderlich)

Das ist ein wenig mysteriös. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas bei einer Stellenausschreibung für ein Studium sehe. Also ich habe zwar ein Auto, aber ich sehe nicht, dass ich das wirklich zum Arbeiten oder zum Studieren brauche. Ich meine, muss man da Pizzas ausfahren oder Taxidienste ableisten?

Das würde ich geflissentlich ignorieren (wenn ich einen Führerschein habe) und dann in einem möglichen Gespräch nach dem Hintergrund der Anforderung fragen. A propo fragen: Wenn ihr vieles, der Stellenanzeigen erfüllt, aber nicht alles, dann informiert euch einfach vorab bei den Unternehmen, wie wichtig jetzt der fehlende Punkt ist oder nicht. Meist wird mehr angegeben, als später tatsächlich erwartet wird. Viel Erfolg an alle, die sich noch für eine Stelle bewerben.

Und das Beste zum Schluss: Wenn Ihr Euch durchgearbeitet habt, erwartet Euch das:

Duales Studium_Stellenausschreibung

Hier gibt’s übrigens Tipps, die verraten, wann eine Stellenausschreibung nicht für einen ist: http://karrierebibel.de/nicht-mein-job-22-zeichen-die-gegen-eine-stelle-sprechen/

*Von der Redaktion umbenannt. 😉

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Autor: Kerstin

Mein Name ist Kerstin Höhn und ich bin 21 Jahre alt. In meiner Freizeit bin ich gern sportlich unterwegs und treffe mich gern mit meinen Freunden. Beruflich habe ich ein duales Studium abgeschlossen und berichte darüber in dem Blog.

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